CapsuleDesk Logbuch

Logbuch-Eintrag, , Exordium, irgendwo zwischen den vier imperialen Sektoren.

Die vier Imperien

Titelbild der Epic Arc in Exordium: die vier Imperien als gemeinsamer Auftakt für neue Kapselpiloten.
Die Epic Arc, wie sie sich beim Start vorstellt. Vier Imperien, vier Wege, ein gemeinsamer Startpunkt.

Exordium ist nicht nur ein Trainingsraum.

Nach der ersten Orientierung und den Karriereagenten wirkte vieles noch wie eine große, gut gemeinte Ausbildungsumgebung. CONCORD und AIR erklären Abläufe, verteilen Schiffe, geben Aufträge und prüfen, ob man die Grundlagen verstanden hat.

Aber neutral ist dieser Ort nur auf den ersten Blick. Amarr, Caldari, Gallente und Minmatar haben hier eigene Bereiche, eigene Repräsentanten und eigene Geschichten, die sie neuen Kapselpiloten zeigen wollen.

Das ergibt Sinn. Kapselpiloten sind teuer, gefährlich und nützlich. Wer früh einen guten Eindruck hinterlässt, wird vielleicht später unterstützt. Oder bekommt Aufträge. Wenn nicht aus Loyalität, dann wenigstens aus Gewohnheit.

Früher war die Sache für mich einfacher. Ich war Caldari, einem Konzern verpflichtet — nicht romantisch, sondern ganz praktisch. Berichtslinien, Kennzahlen, Zuständigkeiten, Freigaben. Man kann so etwas hinter sich lassen, aber nicht einfach abschalten. Kultur verschwindet nicht, nur weil man einen neuen Körper und eine Kapsel bekommt.

Als Kapselpilotin ist trotzdem vieles anders. Ich kann entscheiden, welche Schiffe ich fliege, welche Tätigkeiten ich ausübe, für wen ich arbeite und ob ich überhaupt einem Imperium diene. Vielleicht mehreren. Vielleicht keinem.

AIR nennt die große Vorstellungsrunde der Imperien eine Epic Arc. In aufwendigen Simulationen erlebt man prägende Ereignisse und Perspektiven aus ihrer Geschichte. Wer nach den Karriereagenten noch in Exordium ist, sollte sich diese Simulationen selbst ansehen.

Nicht nur wegen der Belohnungen. In vier großen Inszenierungen wird gezeigt, wie unterschiedlich die Imperien auf sich selbst blicken: welche Tradition sie pflegen und welche Piloten sie damit gewinnen wollen.

Ganz unvorbereitet sollte man jedoch nicht hineingehen. Die Karriereagenten bringen einem vieles bei, machen aus einem aber noch keinen guten Piloten. Spätestens in diesen Simulationen merkt man, ob man sein Schiff nur benutzt — oder ob man grob verstanden hat, warum es so gefittet ist.

Für jede imperiale Simulation fliegt man mit Schiffen der jeweiligen Fraktion. Sinnvoll, aber für mich als Caldari nicht automatisch bequem. Mit Amarr-, Gallente- oder Minmatar-Schiffen hatte ich bisher wenig zu tun. Manche Fähigkeiten fehlten mir schlicht.

Zum Glück hatte ich ein kostenloses AIR-Enforcer-Expertensystem erhalten. Daran muss ich mich immer noch gewöhnen. Früher hätte ich Unterlagen gelesen, Kurse besucht und Freigaben abgewartet. Jetzt verbinde ich ein System mit den neuronalen Schnittstellen meines Klons und kann für eine begrenzte Zeit Dinge tun, für die mir eigentlich noch die Ausbildung fehlt. Eine Rifter fliegen, zum Beispiel. Nur vorübergehend, aber trotzdem.

Ganz ohne Lernen ging es nicht. Bei mehreren Aufgaben fehlten mir Skillbücher, die ich vorher nicht einmal auf dem Schirm hatte. Woher sollte eine ehemalige Analystin auch wissen, was ein Target Painter ist? In der Minmatar-Simulation brauchte ich einen — also lernte ich Target Painting.

Eine größere Raumschlacht im Verlauf der Minmatar-Epic-Arc-Mission, mehrere Fregatten im Feuergefecht.
Die Schlacht von Pator in vollem Gange. In der Simulation herrscht eine dichte Atmosphäre.

Die Gallente- und Minmatar-Simulationen habe ich direkt am ersten Tag versucht — rückblickend vielleicht etwas optimistisch. Die Gallente-Simulation zog sich lange hin, weil einige Gegner zäher waren, als ich erwartet hatte. Ich bekam sie am Ende klein, aber elegant war es nicht.

Die Minmatar-Simulation lief dann noch schlechter.

Ich bekam eine Geschenkbox — darin eine Vigil , ein Target Painter und ein Data Analyzer . Den Inhalt durfte ich behalten. Mehr war nicht in der Box. Mir wurde gesagt, ich solle das Schiff noch bewaffnen. Das war korrekt — half mir aber nur begrenzt.

Ich stand also mit einer halbfertigen Vigil da und wusste nicht, welche Waffen sinnvoll waren, welche Module passten, welche Munition ich brauchte und wie viel davon. Der Hilfe-Channel im NeoCom war sehr hilfsbereit. Ein paar Piloten erklärten mir die Grundlagen, und ich bekam die Vigil irgendwie einsatzbereit.

In der Simulation musste ich mehrfach rauswarpen, damit ich das Schiff nicht verlor. Nicht besonders würdevoll, aber wirksam: raus, reparieren, nachdenken, wieder rein.

Am Ende waren die Gegner erledigt — und dann passierte nichts mehr. Kein sauberer Abschluss, keine nächste Anweisung. Offenbar ein technischer Defekt. So etwas kann am ersten Tag vorkommen, besonders wenn eine Umgebung neu ist.

Geöffnete Geschenkbox mit einer Rifter und passender Ausrüstung als Tag-2-Starthilfe der Minmatar-Mission.
Tag 2. Diesmal lag eine Rifter in der Box. Und Munition. Und ein gutes Gefühl.

Ich meldete das Problem. Am nächsten Tag war die Simulation zurückgesetzt — und fühlte sich zugleich überarbeitet an. Statt der Vigil bekam ich direkt eine Rifter, diesmal mit Bewaffnung und Munition. Auch die simulierten Gegner wirkten weniger zäh.

Offenbar war ich nicht die einzige neue Pilotin gewesen, deren Rückmeldung bei den Verantwortlichen angekommen war. Beim zweiten Versuch lief alles deutlich angenehmer.

Ein großes Capital-Class-Schiff im Verlauf einer der späteren Epic-Arc-Missionen.
Manche Schiffe sieht man als frische Pilotin sonst kaum. Hier schon. Meine winzige Fregatte ist da kaum zu sehen.

Über den Rest möchte ich nicht zu viel schreiben. Diese Simulationen funktionieren besser, wenn man sie nicht vorher nacherzählt bekommt. Sie sind eine gute Gelegenheit, die vier Imperien hinter den Kartennamen zu sehen — als Mächte mit eigener Geschichte und eigenen Absichten.

Ich sehe außerdem Schiffe in Aktion, die im Alltag eines neuen Piloten noch weit entfernt wirken. Für mich war das ein Blick darauf, wie groß dieser Weg noch werden kann.

Wem ich langfristig dienen werde, weiß ich noch nicht. Nach diesen Simulationen ist mir aber klarer geworden, dass die vier Imperien nicht einfach Kulisse sind. Sie werben um neue Piloten, jedes auf seine Weise. Im Moment sammle ich Eindrücke, Fähigkeiten und gelegentlich Schiffe, die ich vorher nicht fliegen konnte.

— Ariane Quell